[...] je mehr die an der Hochschule erworbene Qualifikation eine Qualifikation für einen spezifischen Arbeitsprozeß darstellt, um so mehr wird die geistige Arbeit proletarisiert, d.h. zu einer Ware; um so mehr ist die Ware »geistige Arbeitskraft« gezwungen, sich auf einem »Arbeitsmarkt für geistig-wissenschaftliche Qualifikation« zu verkaufen, um so mehr wird der Preis dieser Ware auf ihre Reproduktionskosten, d.h. auf ihren Wert herabgedrückt, um welchen sie, durch die jeweiligen Verhältnisse von Nachfrage und Angebot verändert, oszilliert. Und je mehr dieser Proletarisierungsprozeß fortschreitet, um so mehr wird die Arbeitsteilung im wissenschaftlichen Bereich mit den unvermeidlichen Begleiterscheinungen der Überspezialisierung und des »Fachidiotentums« vorangetrieben, um so mehr wird der Student gefangen in einem den Verwertungsbedingungen des Kapitals unterworfenen Spezialunterricht. Und je fragmentierter die geistige Qualifikation, je fragmentierter der geistige Arbeitsprozeß wird, um so mehr verallgemeinert sich der entfremdete und entfremdende Hochschulunterricht zu einem Produktionsprozeß von entfremdeter und entfremdender, unter das Kapital real subsumierter geistiger Arbeit. (Mandel 1974, S. 244)
Mandel, Ernest (1974). Spätkapitalismus. 3. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp.




