Archive for Economy

[...] je mehr die an der Hochschule erworbene Qualifikation eine Qualifikation für einen spezifischen Arbeitsprozeß darstellt, um so mehr wird die geistige Arbeit proletarisiert, d.h. zu einer Ware; um so mehr ist die Ware »geistige Arbeitskraft« gezwungen, sich auf einem »Arbeitsmarkt für geistig-wissenschaftliche Qualifikation« zu verkaufen, um so mehr wird der Preis dieser Ware auf ihre Reproduktionskosten, d.h. auf ihren Wert herabgedrückt, um welchen sie, durch die jeweiligen Verhältnisse von Nachfrage und Angebot verändert, oszilliert. Und je mehr dieser Proletarisierungsprozeß fortschreitet, um so mehr wird die Arbeitsteilung im wissenschaftlichen Bereich mit den unvermeidlichen Begleiterscheinungen der Überspezialisierung und des »Fachidiotentums« vorangetrieben, um so mehr wird der Student gefangen in einem den Verwertungsbedingungen des Kapitals unterworfenen Spezialunterricht. Und je fragmentierter die geistige Qualifikation, je fragmentierter der geistige Arbeitsprozeß wird, um so mehr verallgemeinert sich der entfremdete und entfremdende Hochschulunterricht zu einem Produktionsprozeß von entfremdeter und entfremdender, unter das Kapital real subsumierter geistiger Arbeit. (Mandel 1974, S. 244)

Mandel, Ernest (1974). Spätkapitalismus. 3. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Über einen Tweet von Helge bin ich auf einen Blogbeitrag von allesaussersport gestoßen, der sich mit der Auseinandersetzung zwischen dem Fußballblogger Trainer Baade und dem deutschen Trikothersteller JAKO bzw. dessen Anwaltskanzlei Horn und Kollegen beschäftigt. Die Sache zieht gerade ihre Kreise, netzpolitik.org spricht von einer neuen Social Media Kampagne, auf twitter wird getwittert, und auch der Wikipedia-Artikel über JAKO wurde bereits dementsprechend aktualisiert.

Soeben habe ich an JAKO und an die Anwaltskanzlei Horn und Kollegen folgende E-Mail gesendet, und bin gespannt, ob es eine Antwort gibt. Und für meine wenigen aber treuen LeserInnen gilt: spread the word!

Edit 2009-09-01 17:47
JAKO hat jetzt auch einen Twitter-Account: jako_de

Edit 2009-09-01 18:03
Bleibt die Frage, ob der Twitter-Account auch echt ist. Nach diesem Tweet habe ich so meine Zweifel…

Edit 2009-09-01 18:07
Und nach diesem Beitrag scheint klar zu sein, dass der Account ein Fake ist…

Edit 2009-09-01 18:09
Bestätigung: jako_de ist ein fake

E-Mail an JAKO und Horn und Kollegen

Sehr geehrte Damen und Herren der Firma JAKO,

ich möchte Ihnen und Ihrer Anwaltskanzlei auf diesem Wege herzlichst gratulieren!

Durch Ihren vorbildlichen, eleganten und vor allem kompetenten Umgang mit einer im Internet über Ihr Unternehmen geäußerten Kritik ist es Ihnen durchaus gelungen, auf sich aufmerksam zu machen – ja sogar mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, als es die besagte Kritik jemals vermocht hatte!

Heutzutage nennt man so etwas Virales Marketing oder auch Social Media Kampagne – fragen Sie da am besten Frau Iris Sanguinette von Ihrer Anwaltskanzlei Horn und Kollegen, sie scheint sich da besonders gut auszukennen, mit diesem Internet. Sie macht ihre Sache auch wirklich ausgezeichnet: über JAKO wird gebloggt, über JAKO wird getwittert, an JAKO werden E-Mails geschrieben – sogar die Änderung des Wikipedia-Artikels über JAKO wird bereits diskutiert… (Ihre Anwaltskanzlei – und vor allem Frau Sanguinette – kann Ihnen die entsprechenden Beiträge und Informationen mit Sicherheit ausfindig machen.)

Sie sehen, Ihr Verhalten bzw. das Ihrer Anwaltskanzlei zieht weite Kreise! Sie sollten sich von Frau Sanguinette daher auch erklären lassen, wie groß der entstandene Imageschaden ist, und sich gegebenenfalls eine Schadensersatzklage überlegen. Dafür sollten Sie dann aber wohl die Anwaltskanzlei wechseln…

Ich habe mir erlaubt, diese E-Mail auf meinem Weblog (http://www.sofastar.at) zu veröffentlichen und würde mich über eine Stellungnahme von JAKO oder von der Kanzlei Horn und Kollegen sehr freuen!

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Category: Economy

Heute ist Weltspartag und für einige Banken ist ja bereits Weihnachten. 15 Milliarden €uro macht der Staat locker, und die Erste griff auch gleich als erste zu. Natürlich nicht weil wirklich Bedarf besteht. Alles rein präventiv, wie uns Herr Treichl weiß zu machen versucht. Da lacht er, der Sparefroh, den Daumen nach oben gerichtet. Oben ist nämlich dort, wo die Managergehälter ja auch trotz der Verluste noch ganz gut aussehen. In Deutschland wurden sie ja auf 500.000.- €uro jährlich beschränkt – da schlittern einige quasi knapp an der Armutsgrenze vorbei. Ein Argument, dass ich in letzter Zeit immer wieder zu hören bekam, wenn ich die Frage stellte, wodurch solche phantastilliardischen Gehälter gerechtfertigt wären: Na die große Verantwortung! Ein Konzept, dass man sich ganz gut zurecht gelegt hat, ohne dabei jedoch auch an die Verantwortlichkeit zu denken. Um die sollte es ja auch gehen. Hier ein paar Zeilen als Gedankenanstoß:

Verantwortung bedeutet, die Folgen für eigene oder fremde Handlungen zu tragen. Sie drückt sich darin aus, bereit und fähig zu sein, später Antwort auf mögliche Fragen zu deren Folgen zu geben. Eine Verantwortung zieht immer eine Verantwortlichkeit nach sich, d. h. dafür Sorge zu tragen, dass die Entwicklung des Verantwortungsbereichs im gewünschten Rahmen verläuft.

(Quelle: Wikipedia)

Das :zukunfts|institut von und mit und rund um Matthias Horx spricht in einer Männerstudie von der Krise der Männer:

Die Männer – daran besteht kein Zweifel – stecken in der Krise. Aber sie haben sich auch auf den Weg gemacht, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln. Und dieser Evolutionsprozess wird Märkte und Marketing in den kommenden Jahren mit Nachdruck verändern. In der Studie lesen Sie alles über die neuen Männermärkte. Sie erfahren, welche Produkte und Dienstleistungen Männer sich künftig wünschen und auf welche Marketingmaßnahmen sie reagieren. [...] Wie stark Männerbilder, Männerrollen und männliches Selbstverständnis in den letzten Jahren ins Wanken geraten sind, werden Ihnen in der Studie anhand von vier männlichen Lebenswelten vorgeführt, die die Männermärkte von morgen prägen:

  • Everyday-Manager: Zwischen Kind, Kram und Karriere
  • Health-Hedonist: Vom Stil-Ignoranten zum gesunden Genießer
  • Self-Designer: Vom Ego-Trip zum neuen Selbstbewusstsein
  • Work-Life-Venturist: Zwischen Laufbahn und Laufband

(:zukunfts|institut | 01.08.2008)

Papperlapapp! Das Selbstverständnis, das ich als Mann entwickeln wollen soll, ist doch eines, dass mir diejenigen auszureden versuchen, die es mir danach wieder einreden möchten – um damit Gewinne zu erwirtschaften. Wahrscheinlich wird das sogar gelingen.

Wenn ich als Mann aber in einer Krise stecke, dann nur in einer, in die mich Studien wie diese stecken. So erzeugt man Märkte, für die dann Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden können, einschließlich der entsprechenden Marketingstrategien. Was wäre auch eine Marktwirtschaft ohne Markt und ohne Marketing? Eben…

Die ganze Sache wird mit Begriffen wie "Evolutionsprozess", der übrigens vom :zukunfts|institut entlang der Männertypen von John Wayne über Don Johnson und David Beckham zu Seal entworfen wird, noch ein bisschen naturalisiert und in unseren Köpfen verankert. Natürlich, es gibt Entwicklungsbedarf! Selbstverständlich müssen wir aufholen! Wie sollen sonst die Märkte funktionieren, die von solchen Studien vorausgesagt werden? Und wie würden sich sonst wohl solche Studien finanzieren?

via: mitreden

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Dieter Moor, von dem ich seit den Kunst-Stücken und Talk-Radio im österreichischen Rundfunk leider viel zu wenig mitbekommen habe, moderiert derzeit Sonntag abends auf ARD das Kulturmagazin ttt (Titel, Thesen, Temperamente). Seit einigen Jahren betreibt der gebürtige Schweizer in Hirschfelde im Nordosten von Berlin mit seiner Frau Sonja einen Bauernhof und züchtet Schafe. Und das begann so:

Milleniumswechsel. Ein Berg in der Schweiz. Freunde entwickeln eine Vision: Einen Ort zu schaffen, der ein Bekenntnis ist. Mit Menschen zu sein, die einander vertrauen. Ein Kreis von Freunden die füreinander einstehen und gemeinsam nachhaltige Werte schaffen. Seit 7 Jahren verbindet dieses Bekenntnis Menschen verschiedenster Lebensstile, Berufe, Fähigkeiten und Talenten, zu einer Gemeinschaft der freien Ungleichgesinnten. Im Oktober 2006 gründeten die Freunde den Verein Alternativen für Zukunft e.V.

Quelle: www.afz-netz.de

Dieter Moor übersetzt AFZ auch gerne mit "arschlochfreie Zone", weil es sich um ein regionales Netzwerk von Menschen handelt, die sich um die Mitmenschen, die Tiere und die Natur so kümmern, wie das vor einigen Jahrzehnten ganz normal war, und wie es heute leider immer mehr in Vergessenheit geraten ist. Für Moor hat das nichts mit Bio zu tun, was er und seine Verbündeten zu leben versuchen. Es sei einfach eine gesunde Form des Zusammenlebens und vor allem auch der Landwirtschaft.

Schuld sind unsere Esel – Interview mit Dieter Moor im Tagesspiegel.

Category: Economy, Science

Ich zähle eher zu den leidenschaftlichen als zu den kompetenten Kapitalismuskritikern und Sozialromantikern. Aus einem einfachen Grund: Wirtschaft gehört zu jenen Dingen, von denen ich kaum eine Ahnung habe und die ich oft nicht verstehe. An sich keine schlimme Geschichte. Wer aber mitreden und das Maul aufreißen will, sollte auch Bescheid wissen. Herr T., gewissenloser Banker und Vorzeigekapitalist, erwies sich diesbezüglich bereits des Öfteren als ausdauernder und geduldiger Nachhilfelehrer. Seine Zeit ist jedoch beschränkt, daher muss ich mir einige Grundlagen wohl selbst erarbeiten. Nun gut, Lesson One:

10 Principles Of Economics

  1. People Face Trade-Offs
  2. The Cost Of Something Is What You Give Up To Get It
  3. Rational People Think At The Margin
  4. People Respond To Incentives
  5. Trade Can Make Everyone Better Of
  6. Markets Are Usually A Good Way To Organize Economic Activity
  7. Governments Can Sometimes Improve Market Outcomes
  8. An Economy's Standard Of Living Depends On Its Ability To Produce Goods And Services
  9. Prices Rise When The Government Prints Too Much Money
  10. Society Faces A Short-Run Trade-Off Between Inflation and Unemployment

Literatur:
Mankiw, Gregory N./Taylor, Mark P. (2006): Economics. London: Thomson.